Ja und neben den blonden Haaren und den blauen Augen hat er auch das komische Talent seiner Mutter geerbt - wobei der Vater da auch nicht schlecht dabei ist :)
Wednesday, May 27, 2009
A-do-rable !!!
Tuesday, May 26, 2009
Monaco Grand Prix
Dieses Jahr hatte ich das wahnsinns-Glück, mich über Jeromes Eltern zum Grand Prix in Monaco einladen zu lassen.
Die Geschichte ist etwas länger: der Vater kennt einen der Gründer des Kardiologiezentrums, das mehrere Terrassen mit Blick auf die Piste und den Hafen hat. Und der lädt also die Eltern regelmässig zum Grand Prix ein und dieses Jahr durften wir auch mit.

Natürlich sieht man den Grand Prix selber besser auf der Glotze weil man mit Blick auf die Piste nur die Boliden vorbeirauschen sieht aber dafür gab's Champagner dazu und Sonnenschein.
Am Ende hat wie wohl üblich der gewonnen, der am Anfang an erster Stelle stand, Unfälle gab's keine schwerwiegenden und wie wohl auch üblich haben die Yachten im Hafen dem Gewinner mit ihren Sirenen oder Hupen oder wie das für Boote heisst, gegrüsst - was eigentlich im Hafen verboten ist.
Gelungen
Das administrativ betonte französische Strassenfest war ein kleiner beachtlicher Anfangserfolg. Auf die Listen, die wir an die Türen gehängt hatten hatte sich natürlich keiner eingeschrieben. Und nachdem es das ganze Wochendende und gestern satte 32° hatte hat's heute natürlich erstmal ordentlich geschifft.
Aaaber, am Nachmittag riss die Wolkendecke auf, die Temperaturen gingen zumindest nicht weiter runter und als ich - mit einer Stunde Verspätung - endlich im Innenhof angeschnaubt kam, standen da bestimmt 20 Leute um 2 Tische herum.
Und so weiss ich heute abend zu berichten, dass die Nachbarin unter uns am 11. September ein Kind erwartet (will heissen, sie hat inzwischen einen ordentlichen Bauch und ich hab nichts kommen sehen obwohl wir immerhin die gleiche Adresse haben), dass der dazugehörige Vater eine Galerie für Filmplakate hat, wo original Filmplakate (und zwar NUR Originale) für zwischen 30 und 30.000 Euros verkauft werden, dass die Nachbarin vom Erdgeschoss rechts Filmschneiderin ist (oder wie das heisst) und dass das ein Frauenjob ist, in den Lofts wohnt nicht nur die berühmte Catherine M. und der Journalist von Le Monde bei dem sich Jerome Zeitungen ausgeliehen hat, sondern auch eine bekannte Verlegerin (sehr nett aber ihren Namen habe ich natürlich gleich wieder vergessen) und ihr dazugehöriger Lebensabschnittsgefährte ist Journalist bei Marie Claire Maison.
Kurz und gut, das Konzept haben alle verstanden ohne sich einzuschreiben, alle waren glücklich und sogar die Rentner im Gebäude der Strasse kamen vorbei.
Tuesday, May 19, 2009
Straßenfest auf Französisch
Ich erinnere mich an gute alte Zeiten, als eine Horde kreischender und um Vormachtstellung streitender Kinder alljährlich ihre Aufführung zum Straßenfest organisierten – auf die sie am Ende natürlich mächtig stolz waren. Da ich zu selbiger Horde gehörte, kann ich wenig zur Organisation der Erwachsenen sagen, mir scheint aber in Erinnerung zu sein, dass die ganze Geschichte recht spontan über die Bühne ging.
Wetter am Samstag gut ? OK, dann wie üblich: jede Familie bringt einen Tisch mit derselben Anzahl an Stühlen wie Mitglieder der Familie, dazu Fleisch und Salate mit Knoblauchbaguettes, Bier, Sprudel und natürlich Fleisch, 2 oder 3 der Nachbarn stellen noch ihren Profigrill dazu, fertig. Heute nennt man eine selbige Feier BYOB/F (Bring Your Own Beer/Food) und es findet meist im Freundeskreis im Garten statt anstelle des Weges zwischen den Scheibchenhäusern.
Eine mir bis dato vollkommen unbekannte Variante ist die institutionalisierte Nachbarschaftsfeier. Gesponsert von
- dem französischen Senat (jaaa, bitte sehr !!),
- dem Wohnungsbauministerium oder wie das heißt,
- von der Sozialen Union fürs Wohnen,
- der Vereinigung der Bürgermeister Frankreichs,
- der Vereinigung der Bürgermeister der großen Städte (weil die sich natürlich nicht einfach mit den anderen zusammentun können, sollte man glauben???),
- dem Europäischen Parlament (und da sage noch einer, Europa sei Bürgerfern!),
- von der BNP und der Caisse des Dépôts (2 Banken, da weiß man gleich, zu wem man geht, sollte man der Nachbarin anlässlich der Feier zu nahe gekommen sein und nun dringend eine neue Wohnung suchen),
- dem Logistikunternehmen Geodis (die machen bestimmt auch Umzüge),
- der Fondation Nestlé,
- der Fondation Koné (die machen Aufzüge. Ganz uneigennützigen Engagement, vor allem da aktuell alle Aufzüge auf europäische Normen angepasst werden müssen),
- Carrefour (praktisch, da weiß man auch gleich wo man die Plastikbecher kaufen kann)
- Heineken, dazu muss ich ja jetzt nichts sagen
Die vollständige Liste hier : http://www.immeublesenfete.com/index.php4?coe_i_id=19
Dazu gibt’s dann gleich noch Poster, die man im Gebäude anbringen kann auf denen sich jeder eintragen kann mit dem, was er gedenkt zu dem Spaß beizusteuern. Persönlich sehe ich dennoch einen Rekord an Pastis-Flaschen auf uns zukommen.
Das alles weiß ich weil wir jetzt nämlich auch ein Strassenfest geplant haben. Also ich bisher so gar nicht aber meine Nachbarn.
Das Seniorenehepaar neben uns hatte zum Aperitif geladen. Die Nachbarin im Erdgeschoss war nebst Gatte ebenfalls dabei. Da kam die Sprache eben auf die Fête des Voisins und ich sagte, das wär’ doch ganz toll, wo wir so einen schönen Innenhof haben, auch einen kleinen Aperitif zu organisieren. Danach kam nix mehr und ich hab mich auch nicht wirklich drum geprügelt da aktiv zu werden. Bis zum letzten Wochenende. Eine keuchende Aliette kam auf uns zu und verkündete, 1. dass unsere Hauseigene Fête des Voisins für den 26. Mai beschlossen worden ist und dass sie 2. schon einige Mitbewohner eingeladen hat und 3. dass sie natürlich kundtut, dass das alles meine Idee war. Wär’ gar nicht nötig gewesen. Aber da ich nun schon einmal drinhing, bot ich an die Plakate zu machen. Nicht dass die beiden Schleifchenbinderinnen das übernehmen und darunter dann mein Name steht. Das bisschen Würde hätte ich schon gerne behalten.
Wetter am Samstag gut ? OK, dann wie üblich: jede Familie bringt einen Tisch mit derselben Anzahl an Stühlen wie Mitglieder der Familie, dazu Fleisch und Salate mit Knoblauchbaguettes, Bier, Sprudel und natürlich Fleisch, 2 oder 3 der Nachbarn stellen noch ihren Profigrill dazu, fertig. Heute nennt man eine selbige Feier BYOB/F (Bring Your Own Beer/Food) und es findet meist im Freundeskreis im Garten statt anstelle des Weges zwischen den Scheibchenhäusern.
Eine mir bis dato vollkommen unbekannte Variante ist die institutionalisierte Nachbarschaftsfeier. Gesponsert von
- dem französischen Senat (jaaa, bitte sehr !!),
- dem Wohnungsbauministerium oder wie das heißt,
- von der Sozialen Union fürs Wohnen,
- der Vereinigung der Bürgermeister Frankreichs,
- der Vereinigung der Bürgermeister der großen Städte (weil die sich natürlich nicht einfach mit den anderen zusammentun können, sollte man glauben???),
- dem Europäischen Parlament (und da sage noch einer, Europa sei Bürgerfern!),
- von der BNP und der Caisse des Dépôts (2 Banken, da weiß man gleich, zu wem man geht, sollte man der Nachbarin anlässlich der Feier zu nahe gekommen sein und nun dringend eine neue Wohnung suchen),
- dem Logistikunternehmen Geodis (die machen bestimmt auch Umzüge),
- der Fondation Nestlé,
- der Fondation Koné (die machen Aufzüge. Ganz uneigennützigen Engagement, vor allem da aktuell alle Aufzüge auf europäische Normen angepasst werden müssen),
- Carrefour (praktisch, da weiß man auch gleich wo man die Plastikbecher kaufen kann)
- Heineken, dazu muss ich ja jetzt nichts sagen
Die vollständige Liste hier : http://www.immeublesenfete.com/index.php4?coe_i_id=19
Dazu gibt’s dann gleich noch Poster, die man im Gebäude anbringen kann auf denen sich jeder eintragen kann mit dem, was er gedenkt zu dem Spaß beizusteuern. Persönlich sehe ich dennoch einen Rekord an Pastis-Flaschen auf uns zukommen.
Das alles weiß ich weil wir jetzt nämlich auch ein Strassenfest geplant haben. Also ich bisher so gar nicht aber meine Nachbarn.
Das Seniorenehepaar neben uns hatte zum Aperitif geladen. Die Nachbarin im Erdgeschoss war nebst Gatte ebenfalls dabei. Da kam die Sprache eben auf die Fête des Voisins und ich sagte, das wär’ doch ganz toll, wo wir so einen schönen Innenhof haben, auch einen kleinen Aperitif zu organisieren. Danach kam nix mehr und ich hab mich auch nicht wirklich drum geprügelt da aktiv zu werden. Bis zum letzten Wochenende. Eine keuchende Aliette kam auf uns zu und verkündete, 1. dass unsere Hauseigene Fête des Voisins für den 26. Mai beschlossen worden ist und dass sie 2. schon einige Mitbewohner eingeladen hat und 3. dass sie natürlich kundtut, dass das alles meine Idee war. Wär’ gar nicht nötig gewesen. Aber da ich nun schon einmal drinhing, bot ich an die Plakate zu machen. Nicht dass die beiden Schleifchenbinderinnen das übernehmen und darunter dann mein Name steht. Das bisschen Würde hätte ich schon gerne behalten.
Sunday, April 19, 2009
Reconciliation with Beijing
Silk market was a nightmare ! Whereever you go someone's yelling at you to buy cheap bad-looking "Luis Vuitton" and "Gucci" Handbags in that very special chinese-english accent.
Still, I managed to stay calm, ignore them, go to the tailors level and pass several orders at several stores (two costumes for Honey, one for me plus a dress).
Instead of a taxi I took the underground back. Two changes to go near the Olympic Area where our hotel is. Certainly not faster than a cab but with 2 Yuan (about 30 cents) unbelivably cheap. Learned: underground probably is as safe as an airport with bags being scanned before boarding. I wonder how that works durin
g rush hours ?
And, Chinese don't give a damn on the fact that people might want to get off the train before they get in, nope, don't care at all. I am the first one in the row, nose clashed to the glass walls. Good luck if you're the one getting down!
A colleague of mine invited me to join her and another colleague who lived in China for 10 years, 2 of which in Beijing. First stop: manucure and pedicure. 20 Euros alltogether and is was men doing it :-)
Then handbags (again, I thought): apparently a good spot you could never find if you're not an insider (go up the first level, turn, knoxk on doors...) but they've been closed as they've had a police razzia some days ago.
Then back to the embassy area, cats refuge themselves into the embassies - apparently they are that badly treated by Chinese that they group in the embassies.
Had chinese dinner (NO rice!! Rice is only at the end of a meal if ever you're still hungry. We were not), shrimps, tofu, vegetables, beef...very, very good !! Great food, great ambiance, cheap as hell !!
And to end a good day a 90min foot massage. Heaven !! While your feet relax in a Yasmine (or whatever flower) bath, half an hour massage of the back, than the feet. It sometimes hurts a bit but is just better afterwards.
Driving back to the hotel: Beijing is nicer during the night than during the day for the simple reason that you don't see how polluted it is.
And, Chinese don't give a damn on the fact that people might want to get off the train before they get in, nope, don't care at all. I am the first one in the row, nose clashed to the glass walls. Good luck if you're the one getting down!
A colleague of mine invited me to join her and another colleague who lived in China for 10 years, 2 of which in Beijing. First stop: manucure and pedicure. 20 Euros alltogether and is was men doing it :-)
Then handbags (again, I thought): apparently a good spot you could never find if you're not an insider (go up the first level, turn, knoxk on doors...) but they've been closed as they've had a police razzia some days ago.
Had chinese dinner (NO rice!! Rice is only at the end of a meal if ever you're still hungry. We were not), shrimps, tofu, vegetables, beef...very, very good !! Great food, great ambiance, cheap as hell !!
And to end a good day a 90min foot massage. Heaven !! While your feet relax in a Yasmine (or whatever flower) bath, half an hour massage of the back, than the feet. It sometimes hurts a bit but is just better afterwards.
Driving back to the hotel: Beijing is nicer during the night than during the day for the simple reason that you don't see how polluted it is.
Saturday, April 18, 2009
Can Beijing possibly be more polluted than Mexico City in the 80's?
Yes it can! Since arriving, the dusty clouds hanging over the city never disappeared - impossible to really tell what season it is. I suspect some sunshine but can't be really sure.
Lessons learned: don't take the emergency seat if you want to sleep. I've been pretty happy when I found out I had been seated there until I realized that the toilets were besides the emergency exit, that Chinese aren't really what you would call discrete AND that they apparently just love hanging around the toilets.
Next: kids still have a hole in their pants. I remember the pediatric I went to as a child had a picture of a chinese boy (well I was sure it was a boy though I never had the chance to verify) with his buts uncovered. It is said that some "male problems" Chinese seem to have quite regularly are due to wearing these pants as a child. For me that was a kind of "old-communist-rural-China" tradition. No Sir, that one still exists and we've seen it yesterday while visiting the Bird's nest and the Water Cube. Being the only Westerners in the area AND the only people wondering about the half-naked boy, I assume this finally not so ancient tradition still goes on.
Got to suggest that one to some friends :-) "Son, you need to go to the toilet ? Just take a seat."
I also realized that I prefer arab by far to chinese - a bit of a stupid comment as I speak or understand neither of those languages but still: arab is smooth, melodic and even calm. You could fall asleep in front of a TV switched to an arab channel (maybe not Al Jazzeera but more like "die sprechende Briefmarke", some might remember :) In front of a chinese TV channel you're just good to get a heart attack. By the end of yesterday all I wanted is to tell them to shut the hell up, stop yelling at me I didn't do anything to you!!! Take away the Nazi-part of german - chinese is worse!
On the programme today: Silk Market and Tiananmen. We probably won't make it to the chinese wall which is like a 2h drive from Beijing.
Lessons learned: don't take the emergency seat if you want to sleep. I've been pretty happy when I found out I had been seated there until I realized that the toilets were besides the emergency exit, that Chinese aren't really what you would call discrete AND that they apparently just love hanging around the toilets.
Next: kids still have a hole in their pants. I remember the pediatric I went to as a child had a picture of a chinese boy (well I was sure it was a boy though I never had the chance to verify) with his buts uncovered. It is said that some "male problems" Chinese seem to have quite regularly are due to wearing these pants as a child. For me that was a kind of "old-communist-rural-China" tradition. No Sir, that one still exists and we've seen it yesterday while visiting the Bird's nest and the Water Cube. Being the only Westerners in the area AND the only people wondering about the half-naked boy, I assume this finally not so ancient tradition still goes on.Got to suggest that one to some friends :-) "Son, you need to go to the toilet ? Just take a seat."
I also realized that I prefer arab by far to chinese - a bit of a stupid comment as I speak or understand neither of those languages but still: arab is smooth, melodic and even calm. You could fall asleep in front of a TV switched to an arab channel (maybe not Al Jazzeera but more like "die sprechende Briefmarke", some might remember :) In front of a chinese TV channel you're just good to get a heart attack. By the end of yesterday all I wanted is to tell them to shut the hell up, stop yelling at me I didn't do anything to you!!! Take away the Nazi-part of german - chinese is worse!
On the programme today: Silk Market and Tiananmen. We probably won't make it to the chinese wall which is like a 2h drive from Beijing.
Wednesday, February 11, 2009
ZarCosy hat gesprochen
…zwei Stunden lang. Wer sich schon immer gefragt hat, warum um alles in der Welt sämtliche Sender ihren Zuschauern (oder was davon übrig ist) um Karneval dasselbe Programm antun und das über Stunden hinweg, der hat noch nie ein Interview des französischen Staatspräsidenten erlebt. Ich sage deshalb erlebt, weil die Vorstellung sehr weit über eine banale Fernesehsendung, die man sich mal eben ansieht, hinausgeht.
1. Akt : Die Wahl der Moderatoren
Ein Moderator oder eine Moderatorin ist eine Person, die ein Gespräch lenkt, vom Lateinischen « moderare » = mässigen, steuern, lenken. Soviel zur Theorie. Im französischen Fernsehen hat ein Moderator hingegen ganz andere Funktionen.
Zum einen muss er die beteiligten Sender repräsentieren. In dem Fall TF1, den größten Privatsender Frankreichs, der zur Buygues-Gruppe gehört, die neben Baustellen und Handys eben auch Fernsehen macht und dessen Präsident, der seinen Posten von seinem Vater geerbt hat, zu den besten Freunden des Präsidenten der Republik gehört. Schon schwindelig ? Es kommt noch besser. TF1 hat seit Menschengedenken die Vormachtstellung der 20-Uhr Nachrichten inne. Selbige werden seit etwa 30 Jahren von den gleichen Moderatoren (da haben wir sie wieder) präsentiert : Claire Chazal am Wochenende, Patrick Poivre d’Arvor unter der Woche. Die beiden haben einen inzwischen erwachsenen Sohn. Davon hat die Öffentlichkeit aber erst erfahren, als selbiger die Volljährigkeit erreicht hatte. Der Vater des Sprösslings, die unangefochtene Nummer 1 des französischen Nachrichtenbusiness, hat im letzten Jahr den Präsidenten interviewt, mit Madame (also mit seiner Kollegin, versteht sich). Dabei hat er sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt, den Präsidenten als « kleinen Jungen » bezeichnet, der auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm ganz aufgeregt gewirkt habe weil er endlich mit den Grossen spielen durfte. Das war zwar eine sehr zutreffende Beschreibung aber ZarCosy fand das leider gar nicht witzig. Und so kam es, dass dieses Urgestein eines Nachrichtensprechers mir nichts Dir nichts durch was Jüngeres ersetzt wurde.
Die Auserwählte trägt den wohlklingenden Namen Laurence Ferrari, ist jung, sehr blond und stand mal eine Weile auf der Liste der Kandidatinnen, die ZarCosys Exfrau Cécilia ersetzen könnten ziemlich weit oben. Und ja, man macht auch keinen Hehl daraus, dass der Elysée-Palast PPDA (wie man Patrick Poivre d’Arvor auch nennt) loswerden wollte und das der ebenselbe Elysée-Palast Laurence Ferrari vorgeschlagen hat. Ganz unverbindlich natürlich, man würde sich ja um Himmels Willen nie in die Geschäfte einer privaten Gruppe einmischen. Laurence Ferrari war also da, um TF1 zu repräsentieren.
Zum anderen wurde das Interview auch von den öffentlichen Sendern ausgestrahlt, namentlich von France 2. Dessen Nachrichtensprecher nennt
sich David Pujadas, hat eine Frisur wie ein Rugby-Helm und nimmt es gerade Marktanteilsmäßig mit Laurence Ferrari auf, deren Zuschauer reihenweise zur Konkurrenz abwandern. Das Wort Konkurrenz ist aber in dem Zusammenhang ein ganz klein Wenig Irre führend. ZarCosy hat nämlich eine Empfehlung seines Kumpels Martin Buygues (wir erinnern uns? Der mit den Baustellen, den Handys und mit TF1) überreicht bekommen, nach der die Werbung der öffentlichen Sender ab 20 Uhr abgeschafft werden soll. Selbige wurde dann auch flugs umgesetzt. Genau genommen scheint unser Überpräsident eines schönen Tages ein Wenig knapp an Themen für eine einberufenen Pressekonferenz gewesen zu sein, woraufhin einer seiner Berater die besagte Empfehlung erwähnte, die der Chef dann auch sogleich als Entscheidung verkündet hat: das Staatsfernsehen wird reformiert. Nicht einmal seine zuständige Ministerin war informiert, macht aber nichts, der Chef kümmert sich selbst drum, sie darf ausführen. Und weil wir gerade dabei sind wurde auch gleich noch entschieden, dass zukünftig der Intendant der öffentlichen Sender France Télévisions auch von ihm höchstselbst ernannt werden wird. So ganz korrekt fand man das zwar nicht aber was soll man auch tun? Damit hatten wir zwei der „Lenker“ definiert.
Ein weiterer privater Sender, M6, will sich demnächst auch mit einer 20-Uhr Nachrichtensendung schmücken und schickte den idealen Schwiegersohn vor. Guy Lagache ist um die 30, hat eine vorwitzige out-of-bed-Frisur, moderiert derzeit ein Magazin am Sonntagabend und soll wohl der Sprecher der neuen 20-Uhr Nachrichten werden. Als Neuling im Geschäft der seriösen Nachrichten war von ihm nicht viel kritische Fragestellung zu erwarten.
Zu guter Letzt durfte auch ein Radiosender dran. RTL ist Marktführer der sehr gefragten Morgensparte und verfügt über gleich zwei geeignete Kandidaten: Alain Duhamel, der schon Mitterrand und Chirac bei ähnlichen Auftritten befragen durfte und den Politikexperten Jean-Michel Aphatie. Letzterer vereint spitzbübischen Charme mit messerscharfem Verstand und versteht es meisterhaft, die politischen Gäste des „Grand Journal“, eine abendliche Sendung des Bezahlsenders Canal+, mit seinen in original südfranzösischen Dialekt gestellten Fragen in die Enge zu treiben. Also zumindest für französische Verhältnisse. Wen es interessiert, sein Blog ist hier. Der wurde also – wir dachtens uns fast - nicht zum Präsidenten geschickt. Stattdessen also Duhamel, mit dem sich der Prinz zugleich in die illustre Reihe seiner Vorgänger begeben konnte.
2. Akt: Die Wahl des angemessenen Rahmens
Nun könnte man denken, der geeignete Rahmen für eine derartige Befragung wäre ein Fernsehstudio, wahlweise auch ein neutrales, extra zu dem Zwecke angepasstes Museumsgebäude oder ähnliches. Mitnichten. Natürlich bewegte sich der gesamte Tross mit Kameras, Licht, Fernsehstudio-Tischen, Publikum (sic!) in den Elysée, wo ZarCosy das Volk großzügig empfing. Im Hintergrund jahrhunderte alte, schwere und beeindruckende Vorhänge vor meterhohen Fenstern, die französische und europäische Fahne dezent hinter dem Präsidenten postiert. Selbiger saß auf der geraden Seite des Dreickstischs, ihm links gegenüber Ferrari und Pujadas, rechts gegenüber durften sich einer nach dem andere Duhamel und Lagache postieren, die Kamera natürlich immer in der Mitte, frontal zum Objekt der Begierde. So ist man das im Staate gewohnt, so wurde es schon immer gemacht und ZarCosy kann noch so lange über „rupture“ reden, gewisse Dinge fasst man dann doch lieber nicht an. Wo kämen wir denn da hin wenn sich der moderne Monarch tatsächlich zum (Fernseh-)Volk herab begeben würde? Am Ende würde sich einer erdreisten, eine kritische Frage zu stellen? Dach dazu kommen wir jetzt.

3. Akt: Die Choreographie – also das Interview selber
Das Interview mit dem Staatspräsidenten hatte zum Teil schon beinahe komische Momente, alleine schon aufgrund des starren Ablaufs.
Erster Teil: Ferrari und Pujadas stellen einführende Fragen. Der Präsident antwortete. Das klang sehr einstudiert aber was anderes hatte man ja auch nicht erwartet.
Zweiter Teil: Guy Lagache nimmt auf der rechten Seite des Tisches Platz. Auch er stellt Fragen, erstaunlicherweise wirken die fast natürlich, so unbeholfen wie er versucht, nicht sonderlich beeindruckt zu wirken.
Dritter Teil: Guy Lagache verlässt den Präsidententisch und nimmt wieder unterm Publikum Platz (ja, selbst unter Journalisten gibt es Rangunterschiede), Alain Duhamel darf am Präsidententisch Platz nehmen. Wer da noch nicht eingeschlafen ist darf weitere Fragen hören, die ebenso einstudiert wirken wie die davor. Selbst die vermeintlich provokante letzte Frage nach Quellen aus dem Elysée selber bezüglich der Kouchner-Affäre, die das Magazin Nouvel Observateur aufgetan haben will, wirkte irgendwie einstudiert. Die Antwort war dafür umso erhellender: statt einer Antwort gab es nämlich nur den Hinweis, ein Magazin, das angeblich von einer sms des Präsidenten an seine Exfrau erfahren habe (in der er ihr vor seiner Hochzeit mit Carla Bruni angeboten habe, alles zu annullieren wenn sie nur zurückkäme), sei ohnehin nicht ernst zu nehmen. Wir reden hier allerdings vom NouvelObs, eine Institution der französischen Mediengesellschaft, nicht ganz mit der Bildzeitung zu vergleichen. Eher schon mit dem Spiegel. Jedenfalls war das der wohl aufschlussreichste Moment der gesamten Veranstaltung: eine erschreckend deutliche Demonstration des Unwillens ZarCosys, eine freie Presse zu akzeptieren und der Unfähigkeit ihrer Vertreter, die Freiheit und Unabhängigkeit dieser Presse durchzusetzen.
Im vierten Teil nahm auch Duhamel wieder seinen Platz im Volk ein und Pujadas und Ferrari stellten ein paar abschließende Fragen. Eine davon drehte sich sogar um die Reform der öffentlichen Sender und die Ernennung ihres Präsidenten durch den Staatschef. In seiner gewohnt süffisanten Stimmlage erklärte der Präsident dem Journalisten Pujadas, der ja ganz offensichtlich gar nichts verstanden hatte, was Sache ist, dass nämlich der Präsident von France Télévisions mit 3/5 der Stimmen des Parlaments gewählt werde (womit die Opposition plötzlich ein Stimmrecht in der Sache hätte). Tatsächlich kann das Parlament die Nominierung mit einer 3/5-Mehrheit nur verhindern und die Mehrheit sollen sie mal suchen. Wir wollen kulant sein und gehen davon aus, dass der Präsident sich nur irrte, statt bewusst die Unwahrheit zu verbreiten aber wie dem auch sei: die Wahrheit traute sich niemand zu sagen, man hätte ja den Präsidenten berichtigen müssen und bei seiner allseits bekannten Affinität zu Kritik fürchtete wohl mehr als einer um seinen Posten. Danach war die Sache jedenfalls endlich überstanden.
Epilog
Der Präsident ließ uns wissen, dass er Frankreich gerade durch „ die schwerste Krise seit einem Jahrhundert“ führt (aha? Und 1929??). Wie genau, darüber denkt er noch nach, jedenfalls soll Frankreich „so spät wie möglich“ in die Krise schlittern und so früh wie möglich wieder raus. Und ich dachte, wir seien schon mittendrin???
Am Tag drauf veröffentlichten zwei Tageszeitungen Umfrageergebnisse zur Sendung.
Laut „Le Parisien“ hat der Präsident 36% der Zuschauer überzeugt. Laut „Le Figaro“ waren 53% der Zuschauer vom Präsidenten überzeugt. Nicht dass Le Parisien besonders links wäre aber zumindest der Figaro pflegt eine notorische Hofberichterstattung.
Was die „Lenker“ anging: da lag ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Die deutsche Berufsaufassung eines Journalisten, einen Regierungschef gnadenlos auszuquetschen bis der Austausch an ein Duell grenzt geht natürlich sehr viel weiter als „lenken“. Die französische Art und Weise hingegen lenkt nicht, sie konstruiert Steilvorlagen, die der Präsident dann genüsslich ausnutzen darf.
1. Akt : Die Wahl der Moderatoren
Ein Moderator oder eine Moderatorin ist eine Person, die ein Gespräch lenkt, vom Lateinischen « moderare » = mässigen, steuern, lenken. Soviel zur Theorie. Im französischen Fernsehen hat ein Moderator hingegen ganz andere Funktionen.
Zum einen muss er die beteiligten Sender repräsentieren. In dem Fall TF1, den größten Privatsender Frankreichs, der zur Buygues-Gruppe gehört, die neben Baustellen und Handys eben auch Fernsehen macht und dessen Präsident, der seinen Posten von seinem Vater geerbt hat, zu den besten Freunden des Präsidenten der Republik gehört. Schon schwindelig ? Es kommt noch besser. TF1 hat seit Menschengedenken die Vormachtstellung der 20-Uhr Nachrichten inne. Selbige werden seit etwa 30 Jahren von den gleichen Moderatoren (da haben wir sie wieder) präsentiert : Claire Chazal am Wochenende, Patrick Poivre d’Arvor unter der Woche. Die beiden haben einen inzwischen erwachsenen Sohn. Davon hat die Öffentlichkeit aber erst erfahren, als selbiger die Volljährigkeit erreicht hatte. Der Vater des Sprösslings, die unangefochtene Nummer 1 des französischen Nachrichtenbusiness, hat im letzten Jahr den Präsidenten interviewt, mit Madame (also mit seiner Kollegin, versteht sich). Dabei hat er sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt, den Präsidenten als « kleinen Jungen » bezeichnet, der auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm ganz aufgeregt gewirkt habe weil er endlich mit den Grossen spielen durfte. Das war zwar eine sehr zutreffende Beschreibung aber ZarCosy fand das leider gar nicht witzig. Und so kam es, dass dieses Urgestein eines Nachrichtensprechers mir nichts Dir nichts durch was Jüngeres ersetzt wurde.

Die Auserwählte trägt den wohlklingenden Namen Laurence Ferrari, ist jung, sehr blond und stand mal eine Weile auf der Liste der Kandidatinnen, die ZarCosys Exfrau Cécilia ersetzen könnten ziemlich weit oben. Und ja, man macht auch keinen Hehl daraus, dass der Elysée-Palast PPDA (wie man Patrick Poivre d’Arvor auch nennt) loswerden wollte und das der ebenselbe Elysée-Palast Laurence Ferrari vorgeschlagen hat. Ganz unverbindlich natürlich, man würde sich ja um Himmels Willen nie in die Geschäfte einer privaten Gruppe einmischen. Laurence Ferrari war also da, um TF1 zu repräsentieren.
Zum anderen wurde das Interview auch von den öffentlichen Sendern ausgestrahlt, namentlich von France 2. Dessen Nachrichtensprecher nennt
sich David Pujadas, hat eine Frisur wie ein Rugby-Helm und nimmt es gerade Marktanteilsmäßig mit Laurence Ferrari auf, deren Zuschauer reihenweise zur Konkurrenz abwandern. Das Wort Konkurrenz ist aber in dem Zusammenhang ein ganz klein Wenig Irre führend. ZarCosy hat nämlich eine Empfehlung seines Kumpels Martin Buygues (wir erinnern uns? Der mit den Baustellen, den Handys und mit TF1) überreicht bekommen, nach der die Werbung der öffentlichen Sender ab 20 Uhr abgeschafft werden soll. Selbige wurde dann auch flugs umgesetzt. Genau genommen scheint unser Überpräsident eines schönen Tages ein Wenig knapp an Themen für eine einberufenen Pressekonferenz gewesen zu sein, woraufhin einer seiner Berater die besagte Empfehlung erwähnte, die der Chef dann auch sogleich als Entscheidung verkündet hat: das Staatsfernsehen wird reformiert. Nicht einmal seine zuständige Ministerin war informiert, macht aber nichts, der Chef kümmert sich selbst drum, sie darf ausführen. Und weil wir gerade dabei sind wurde auch gleich noch entschieden, dass zukünftig der Intendant der öffentlichen Sender France Télévisions auch von ihm höchstselbst ernannt werden wird. So ganz korrekt fand man das zwar nicht aber was soll man auch tun? Damit hatten wir zwei der „Lenker“ definiert.
Ein weiterer privater Sender, M6, will sich demnächst auch mit einer 20-Uhr Nachrichtensendung schmücken und schickte den idealen Schwiegersohn vor. Guy Lagache ist um die 30, hat eine vorwitzige out-of-bed-Frisur, moderiert derzeit ein Magazin am Sonntagabend und soll wohl der Sprecher der neuen 20-Uhr Nachrichten werden. Als Neuling im Geschäft der seriösen Nachrichten war von ihm nicht viel kritische Fragestellung zu erwarten.
Zu guter Letzt durfte auch ein Radiosender dran. RTL ist Marktführer der sehr gefragten Morgensparte und verfügt über gleich zwei geeignete Kandidaten: Alain Duhamel, der schon Mitterrand und Chirac bei ähnlichen Auftritten befragen durfte und den Politikexperten Jean-Michel Aphatie. Letzterer vereint spitzbübischen Charme mit messerscharfem Verstand und versteht es meisterhaft, die politischen Gäste des „Grand Journal“, eine abendliche Sendung des Bezahlsenders Canal+, mit seinen in original südfranzösischen Dialekt gestellten Fragen in die Enge zu treiben. Also zumindest für französische Verhältnisse. Wen es interessiert, sein Blog ist hier. Der wurde also – wir dachtens uns fast - nicht zum Präsidenten geschickt. Stattdessen also Duhamel, mit dem sich der Prinz zugleich in die illustre Reihe seiner Vorgänger begeben konnte.2. Akt: Die Wahl des angemessenen Rahmens
Nun könnte man denken, der geeignete Rahmen für eine derartige Befragung wäre ein Fernsehstudio, wahlweise auch ein neutrales, extra zu dem Zwecke angepasstes Museumsgebäude oder ähnliches. Mitnichten. Natürlich bewegte sich der gesamte Tross mit Kameras, Licht, Fernsehstudio-Tischen, Publikum (sic!) in den Elysée, wo ZarCosy das Volk großzügig empfing. Im Hintergrund jahrhunderte alte, schwere und beeindruckende Vorhänge vor meterhohen Fenstern, die französische und europäische Fahne dezent hinter dem Präsidenten postiert. Selbiger saß auf der geraden Seite des Dreickstischs, ihm links gegenüber Ferrari und Pujadas, rechts gegenüber durften sich einer nach dem andere Duhamel und Lagache postieren, die Kamera natürlich immer in der Mitte, frontal zum Objekt der Begierde. So ist man das im Staate gewohnt, so wurde es schon immer gemacht und ZarCosy kann noch so lange über „rupture“ reden, gewisse Dinge fasst man dann doch lieber nicht an. Wo kämen wir denn da hin wenn sich der moderne Monarch tatsächlich zum (Fernseh-)Volk herab begeben würde? Am Ende würde sich einer erdreisten, eine kritische Frage zu stellen? Dach dazu kommen wir jetzt.

3. Akt: Die Choreographie – also das Interview selber
Das Interview mit dem Staatspräsidenten hatte zum Teil schon beinahe komische Momente, alleine schon aufgrund des starren Ablaufs.
Erster Teil: Ferrari und Pujadas stellen einführende Fragen. Der Präsident antwortete. Das klang sehr einstudiert aber was anderes hatte man ja auch nicht erwartet.
Zweiter Teil: Guy Lagache nimmt auf der rechten Seite des Tisches Platz. Auch er stellt Fragen, erstaunlicherweise wirken die fast natürlich, so unbeholfen wie er versucht, nicht sonderlich beeindruckt zu wirken.
Dritter Teil: Guy Lagache verlässt den Präsidententisch und nimmt wieder unterm Publikum Platz (ja, selbst unter Journalisten gibt es Rangunterschiede), Alain Duhamel darf am Präsidententisch Platz nehmen. Wer da noch nicht eingeschlafen ist darf weitere Fragen hören, die ebenso einstudiert wirken wie die davor. Selbst die vermeintlich provokante letzte Frage nach Quellen aus dem Elysée selber bezüglich der Kouchner-Affäre, die das Magazin Nouvel Observateur aufgetan haben will, wirkte irgendwie einstudiert. Die Antwort war dafür umso erhellender: statt einer Antwort gab es nämlich nur den Hinweis, ein Magazin, das angeblich von einer sms des Präsidenten an seine Exfrau erfahren habe (in der er ihr vor seiner Hochzeit mit Carla Bruni angeboten habe, alles zu annullieren wenn sie nur zurückkäme), sei ohnehin nicht ernst zu nehmen. Wir reden hier allerdings vom NouvelObs, eine Institution der französischen Mediengesellschaft, nicht ganz mit der Bildzeitung zu vergleichen. Eher schon mit dem Spiegel. Jedenfalls war das der wohl aufschlussreichste Moment der gesamten Veranstaltung: eine erschreckend deutliche Demonstration des Unwillens ZarCosys, eine freie Presse zu akzeptieren und der Unfähigkeit ihrer Vertreter, die Freiheit und Unabhängigkeit dieser Presse durchzusetzen.
Im vierten Teil nahm auch Duhamel wieder seinen Platz im Volk ein und Pujadas und Ferrari stellten ein paar abschließende Fragen. Eine davon drehte sich sogar um die Reform der öffentlichen Sender und die Ernennung ihres Präsidenten durch den Staatschef. In seiner gewohnt süffisanten Stimmlage erklärte der Präsident dem Journalisten Pujadas, der ja ganz offensichtlich gar nichts verstanden hatte, was Sache ist, dass nämlich der Präsident von France Télévisions mit 3/5 der Stimmen des Parlaments gewählt werde (womit die Opposition plötzlich ein Stimmrecht in der Sache hätte). Tatsächlich kann das Parlament die Nominierung mit einer 3/5-Mehrheit nur verhindern und die Mehrheit sollen sie mal suchen. Wir wollen kulant sein und gehen davon aus, dass der Präsident sich nur irrte, statt bewusst die Unwahrheit zu verbreiten aber wie dem auch sei: die Wahrheit traute sich niemand zu sagen, man hätte ja den Präsidenten berichtigen müssen und bei seiner allseits bekannten Affinität zu Kritik fürchtete wohl mehr als einer um seinen Posten. Danach war die Sache jedenfalls endlich überstanden.
Epilog
Der Präsident ließ uns wissen, dass er Frankreich gerade durch „ die schwerste Krise seit einem Jahrhundert“ führt (aha? Und 1929??). Wie genau, darüber denkt er noch nach, jedenfalls soll Frankreich „so spät wie möglich“ in die Krise schlittern und so früh wie möglich wieder raus. Und ich dachte, wir seien schon mittendrin???
Am Tag drauf veröffentlichten zwei Tageszeitungen Umfrageergebnisse zur Sendung.
Laut „Le Parisien“ hat der Präsident 36% der Zuschauer überzeugt. Laut „Le Figaro“ waren 53% der Zuschauer vom Präsidenten überzeugt. Nicht dass Le Parisien besonders links wäre aber zumindest der Figaro pflegt eine notorische Hofberichterstattung.
Was die „Lenker“ anging: da lag ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Die deutsche Berufsaufassung eines Journalisten, einen Regierungschef gnadenlos auszuquetschen bis der Austausch an ein Duell grenzt geht natürlich sehr viel weiter als „lenken“. Die französische Art und Weise hingegen lenkt nicht, sie konstruiert Steilvorlagen, die der Präsident dann genüsslich ausnutzen darf.
Subscribe to:
Posts (Atom)